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Sense of Safety

von Tracy-Christin Apitz (Kommentare: 0)

Sense of Safety – ein guter Tanzboden

Sense of Safety – ein guter Tanzboden

Ich traf Marie zum Tanzen – Contact Improvisation. Ein Treffen wie viele, vertraut geworden über Monate und Jahre.
Wir umarmten uns zur Begrüßung herzlich, mit der Selbstverständlichkeit, uns mit ganzem Körpereinsatz in die Umarmung zu geben und mit Freude. In der Umarmung sagte sie: „Du riechst gut!“
Davor hatte sie erzählt, dass sie gerade zusammen mit ihrer WG Flammenkuchen gebacken und gegessen habe. So sagte ich: „Du riechst auch gut“, nahm einen tiefen Atemzug: „Nach Lauch“, nahm einen zweiten tiefen Atemzug und versuchte aus diesem Geruchspotpourri zu erraten, was wohl auf dem Flammenkuchen gelegen haben mochte. 

Nach dem Tanzen lagen wir nah beieinander und erzählten uns von unseren Kindern, ich erzählte von meinen Kindern und sie erzählte von ihrem nicht geborenen Kind.
„Du riechst so gut“ zog sich durch den Abend – ich zählte den Satz zwei weitere Male.

Am nächsten Tag fuhr ich durch die Stadt an einer Unfallstelle vorbei. 
Ich sah Marie auf dem Bordstein sitzen, den Krankenwagen daneben und Menschen, die auf sie einredeten. 
Ich hielt an und ging zu ihr:
„Sag, was machst du denn hier?“ 

„Ich bin mit dem Fahrrad gegen das Auto gefahren und habe mit dem Kopf das Seitenfenster zertrümmert.“ 

Ihr Verstand unternahm alle Bemühungen sich einen Reim aus dem zu machen, was geschehen war. 
Sie stand unter Schock. Körperlich schien sie unversehrt. Sie redete viel. Ohne Pause. 
Ich hockte mich ihr gegenüber und hielt meine Hand an ihre Schulter und ließ sie dort. 
Sanitäter gingen auf und ab und stellten professionelle Fragen, auf die sie vernünftig antwortete. 
Ich war einfach nur da und schaute sie an und wartete.
Es geschah. Sie stoppte im Erzähllauf, als komme sie kurz zu sich, und sagte: „Tracy, du riechst gut.“ 

Dann fing ihr Körper an zu zittern. Sie schwieg. Ich schwieg. 



Der Körper nimmt sich selbst wieder in Besitz. Den Geruch streifen und wiedererkennen. 
Dem Geruch zugehörig fühlen. Dem unbegreiflichen Instinkt angehören. Macht, was ihm angeboren ist: Sich selbst regulieren und entlassen, was festgehalten ist.

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